Von Sprachverzögerung zu Unabhängigkeit
In einer Welt, in der Unabhängigkeit und Mobilität immer wichtiger werden, bietet die Virtual-Reality-Lernplattform „Virtual OV“ eine vielversprechende Lösung für Schülerinnen und Schüler. Diese innovative Lehrmethode hat sich insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit Sprachdefiziten an der Kranenburg Praktijkonderwijs in Utrecht als wirksam erwiesen. Marloes Heidekamp, Lehrerin und ICT-Koordinatorin, berichtet von ihren positiven Erfahrungen mit dieser innovativen Lehrmethode.
„Ich arbeite seit zehn Jahren an dieser Schule und lerne trotzdem jeden Tag etwas Neues“, sagt Marloes. „Die Kranenburg-Schule ist eine Berufsschule mit einem sinnstiftenden, zukunftsorientierten und positiven Lern- und Lebensumfeld“, erklärt sie. „Nach ihrem Berufsabschluss können unsere Schülerinnen und Schüler selbstständig und umfassend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie können dann eigenverantwortlich arbeiten und leben, ihre Freizeit sinnvoll gestalten und sich aktiv in die Gesellschaft einbringen. Um dies zu erreichen, erwerben die Schülerinnen und Schüler spezifische berufliche Kompetenzen, die zu dem von ihnen gewählten Bereich passen. Das individuelle Potenzial und die Talente der Schülerinnen und Schüler stehen im Mittelpunkt des Unterrichts.“
„Viele Lehrer arbeiten seit über zehn Jahren an dieser Schule, manche sogar seit vierzig“, fährt Marloes fort. „Das spricht für die Atmosphäre, finde ich. Es gibt in unserem Team keine Lehrkraft, die all die Jahre nur eine einzige Position innehatte.“ Marloes selbst hatte in Kranenburg verschiedene Funktionen inne, von der Mentorin für Schüler der Stufen 1, 2 und 3 über die Koordinatorin für Staatsbürgerkunde und Fördermittel bis hin zur Mentorin und Lehrerin für das AVO-Programm. „Da alle Lehrer unterschiedliche Aufgaben erfüllen, muss man ständig lernen, Bildung aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das erweitert den Horizont und hilft einem, sich stetig weiterzuentwickeln.“
Keine Beziehung, keine Leistung
„Wir sind auch selbstkritisch“, fährt Marloes fort. „Wir sagen zum Beispiel nie, dass ein Schüler ‚Lernschwierigkeiten hat‘. Wenn etwas nicht funktioniert, fragen wir einen Kollegen um Rat: Dieser Schüler ist sehr aktiv, ist das bei Ihnen auch so? Wir schauen uns an, was ein Kind zum Lernen braucht. Liegt es an etwas im Elternhaus oder im sozialen Umfeld des Kindes, das das Lernen behindert? Oder liegt es an unserem eigenen Verhalten? Dann prüfen wir, ob wir unsere Beziehung zu diesem Schüler anpassen können. Denn ohne eine gute Beziehung gibt es keinen Erfolg.“
Virtuelle öffentliche Verkehrsmittel sind ein echter Wendepunkt für unsere Studierenden
Bedeutung des virtuellen öffentlichen Nahverkehrs für die Selbstständigkeit der Studierenden
An unserer Schule unterrichten wir Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren mit leichten Lernschwierigkeiten. Wir vermitteln ihnen die Grundlagen, die sie für ein selbstständiges Leben in unserer Gesellschaft benötigen. Zum Beispiel: Wie melde ich mich bei der Wohnungssuche an? Wie beantrage ich einen Personalausweis oder andere Dokumente von der Gemeinde? Und wie nutze ich öffentliche Verkehrsmittel? Wir bereiten die Schülerinnen und Schüler auf diese Herausforderungen vor, damit sie sich bestmöglich in die Gesellschaft einbringen können. Dabei berücksichtigen wir auch ihre praktischen Bedürfnisse, wie beispielsweise die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Für die Schülerinnen und Schüler ist es sehr wichtig, diese Fertigkeit mithilfe des virtuellen öffentlichen Nahverkehrs in einer sicheren und stressfreien Umgebung üben zu können.
NS TreinTrainPaket
Um die Selbstständigkeit neurodiverser Menschen zu fördern, führte NS Anfang 2023 das TreinTrainPakket , das auch den virtuellen öffentlichen Nahverkehr umfasst. Kranenburg Praktijkonderwijs war eine der ersten fünf Schulen und Gesundheitseinrichtungen, die das TreinTrainPakket zwei Monate lang nutzten und sich anschließend das virtuelle Nahverkehrspaket selbst anschafften.
Lerne spielerisch sicher in einer virtuellen Welt zu reisen
In den letzten drei Jahren hat Marloes fünfzehn Klassen der ersten bis dritten Jahrgangsstufe mit dem virtuellen öffentlichen Nahverkehr trainiert, und das Feedback war durchweg positiv. „Sowohl unsere Lehrer als auch die Schüler sind begeistert. Für sie ist das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Herausforderung, und sie fragen viel darüber nach, da sie mit dem virtuellen Nahverkehr das Reisen in einer sicheren Umgebung üben können. Im Unterricht teile ich jeweils einen Schüler, der das Spiel bereits beherrscht, mit einem Schüler ein, der noch etwas Übung braucht. So können sie sich gegenseitig helfen und voneinander lernen. Die Schüler sagen auch, dass ihnen das spielerische Element sehr gefällt. Gaming ist natürlich ein beliebtes Thema unter jungen Leuten. Und als Elternteil junger Gamer spiele ich selbst auch gerne. Dieser Ansatz macht den Lernprozess nicht nur effektiver, sondern auch viel unterhaltsamer für die Schüler.“
Positiver Effekt auf das Selbstvertrauen der Schüler
Schülerinnen und Schüler, die jetzt selbstständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, sind auch vom virtuellen öffentlichen Nahverkehr begeistert. Marloes: „Sie berichten, dass sie nicht mehr so schnell in Panik geraten, wenn ihr Zug unerwartet Verspätung hat. Sie wissen, wie sie nach Informationen fragen oder Hilfe bekommen können.“ Der virtuelle öffentliche Nahverkehr ist besonders wertvoll für Schülerinnen und Schüler mit Sprachschwierigkeiten, die in den Vororten von Utrecht oder sogar noch weiter entfernt wohnen. „Ohne die Möglichkeit, das Reisen mit Bus oder Bahn in einer stressfreien Umgebung zu üben, wären diese Kinder in Panik geraten und vor dem Gedränge und dem Lärm am Bahnhof Hoog Catharijne geflohen. Wahrscheinlich würden sie sich nie wieder aus ihrer Gegend trauen, mit all den negativen Folgen für ihre Entwicklung. An unserer Schule gibt es auch Schülerinnen und Schüler, die aufgrund von Krieg aus ihren Heimatländern geflohen sind. Auch für sie ist es unerlässlich, das selbstständige Reisen üben zu können.“
Unterrichtseinheiten zu Staatsbürgerschaft und digitaler Kompetenz
Als IKT-Koordinatorin für Lehrplaninhalte hat Marloes gemeinsam mit ihren Kollegen einen Lehrplan für die Fächer Staatsbürgerkunde und Digitale Kompetenz entwickelt. Alle Unterrichtseinheiten entsprechen den nationalen Lernzielen und wurden für Schüler mit Sprachbarrieren angepasst. Auch der Virtuelle Öffentliche Nahverkehr (VPT) ist dabei ein wertvolles Hilfsmittel. „Wir wenden dieses Verfahren in allen Fächern an. Der gesamte Lehrplan kann so angepasst werden, dass auch unsere Schüler ihn erlernen können.“
Unverzichtbarer Beitrag zur Gesellschaft
Wir beobachten oft, dass Schüler mit Sprachschwierigkeiten sich minderwertig fühlen. Dabei sind sie unglaublich talentiert; was sie sehen, können sie mit ihren Händen erschaffen. Ich sage meinen Schülern regelmäßig: „Ich brauche euch, um meine Arbeit an dieser Schule zu erledigen. Denn ohne euch wären meine Kinder nicht in der Nachmittagsbetreuung betreut worden, der Bordcomputer meines Autos hätte bei einer Panne nicht funktioniert und ich hätte keinen Friseur gefunden, der mir die Haare geschnitten hätte.“ Dann sieht man, wie sie vor Stolz strahlen, denn dann erkennen sie, warum sie so unverzichtbar sind. Ohne sie käme die Gesellschaft tatsächlich zum Erliegen
Ein großer Schritt vorwärts hin zu inklusiver Bildung
Virtuelle öffentliche Verkehrsmittel erweisen sich als wertvolles Instrument zur Förderung der Selbstständigkeit von Schülerinnen und Schülern. Sie stellen eine sinnvolle Ergänzung des Lehrplans für Schülerinnen und Schüler mit Sprachdefiziten dar und vermitteln nicht nur praktische Fertigkeiten, sondern stärken auch ihr Selbstvertrauen und ihre Unabhängigkeit. Mit diesem innovativen Ansatz geht die Kranenburg Praktijkonderwijs einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren und effektiveren Bildung.











