Die Auswirkungen von Virtual Reality und 6DoF auf neurodiverse Menschen

Changefied BV.
Auswirkungen von 6DoF-VR auf neurodiverse Menschen

Virtuelle Realität (VR) entwickelt sich rasant zu einem wertvollen Werkzeug für neurodiverse Menschen. Die neueste Generation der VR-Technologie mit ihren sechs Freiheitsgraden (6DoF) bietet beispielsweise einzigartige Möglichkeiten, soziale Kompetenzen zu trainieren und die Selbstständigkeit von Kindern und Jugendlichen mit Autismus zu fördern.


Was ist Neurodivergenz und warum ist das Training sozialer Kompetenzen so wichtig?

Neurodivergenz ist ein Oberbegriff für Menschen, deren Gehirn anders funktioniert als im Durchschnitt. Dazu gehören Autismus, ADHS, Legasthenie und andere neurologische Entwicklungsstörungen. Für viele neurodivergente Menschen sind soziale Situationen herausfordernd und manchmal überfordernd. Traditionelle Therapien bieten zwar Unterstützung, reichen aber nicht immer aus, um komplexe soziale Kompetenzen zu vermitteln. Autismus ist ein bekanntes Beispiel: Menschen mit Autismus haben oft Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation, Interaktion und zeigen repetitive Verhaltensweisen.


Exekutive Funktionen: eine versteckte Herausforderung

Neben sozialen Kompetenzen haben neurodiverse Menschen häufig Schwierigkeiten mit exekutiven Funktionen wie Planung, Impulskontrolle und kognitiver Flexibilität. VR bietet hier eine Lösung: Studien zeigen, dass VR-Training mit spezifischen Aufgaben (wie dem Stroop-Test in virtuellen Umgebungen) Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Problemlösungsfähigkeiten verbessert, selbst bei Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen ( Dahdah et al., 2017 ).


Virtuelle Realität als innovative Lösung

VR-Technologie schafft eine sichere, kontrollierte und wiederholbare Lernumgebung, in der soziale Situationen ohne den Druck des realen Lebens geübt werden können. Nutzer tragen ein VR-Headset und bewegen sich durch eine digitale Welt, in der sie Interaktionen üben, Fehler machen und direktes Feedback erhalten können. Dies reduziert die Angst vor Ablehnung oder Überstimulation und ermöglicht die Erstellung individueller Szenarien, die auf das Können und die Bedürfnisse des Nutzers zugeschnitten sind.


Die Stärke von 6DoF: maximale Bewegungsfreiheit und Realismus

Die Einführung der 6DoF-Technologie ermöglicht es Nutzern, sich nicht nur umzusehen, sondern sich auch frei zu bewegen und in einem virtuellen Raum zu interagieren. Dies schafft einen deutlich realistischeren und aktiveren Lernprozess und erlaubt das intensive Üben komplexer sozialer Situationen und exekutiver Funktionen. Aktuelle Forschungsergebnisse bestätigen, dass beispielsweise Kinder und Jugendliche mit Autismus besonders von diesen immersiven VR-Formaten profitieren. Sie können beispielsweise Blickkontakt, Emotionserkennung und Konversation in lebensechten Simulationen üben.


Wichtigste Vorteile von 6DoF-VR für neurodiverse Menschen

  • Sichere, motivierende Lernumgebung: Üben ohne sozialen Druck oder Angst vor Fehlern.
  • Wiederholbarkeit: Szenarien können immer wieder geübt werden, was für den Lernprozess bei Neurodivergenz unerlässlich ist.
  • Übertragung in den Alltag: Der Realismus von 6DoF VR erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass erlernte Fähigkeiten auch außerhalb der virtuellen Welt angewendet werden können.
  • Training exekutiver Funktionen: VR-Szenarien wie die Planung von Zugfahrten im virtuellen öffentlichen Nahverkehr, Problemlösungsfähigkeiten und Stressmanagement in realen Situationen wie dem öffentlichen Nahverkehr.

Praktische Anwendungen und wissenschaftliche Untermauerung

In den Niederlanden und Belgien findet VR zunehmend Anwendung im Gesundheits- und Bildungswesen, beispielsweise für das Training sozialer Kompetenzen, die Förderung der Selbstständigkeit im öffentlichen Nahverkehr und die Verbesserung der Zusammenarbeit am Arbeitsplatz. Systematische Übersichtsarbeiten, wie die von Yang et al. (31610529887), belegen, dass VR-Interventionen nachweisbare Verbesserungen in Blickkontakt, sozialer Interaktion und Emotionserkennung bei neurodiversen Kindern und Jugendlichen bewirken, wobei Autismus ein häufig genutztes Beispiel ist. Auch Erwachsene profitieren von VR-Training, beispielsweise beim Üben von Teamfähigkeiten.


Forschungen mit dem Stroop-Test in VR zeigen, dass ablenkende Elemente (wie sich bewegende Objekte oder Geräusche) in einer virtuellen Wohnzimmerumgebung genutzt werden können, um exekutive Funktionen wie Aufmerksamkeit , kognitive Flexibilität und Impulskontrolle bei Menschen mit Hirnverletzungen zu trainieren (Dahdah et al., 2017). Diese Methode findet zunehmend auch Anwendung bei neurodiversen Gruppen wie Menschen mit Autismus und ADHS.

 

 

Die Auswirkungen des virtuellen öffentlichen Nahverkehrs sind größer, als man zunächst annehmen mag. Da unsere jungen Menschen dadurch mehr Selbstvertrauen entwickeln, gehen sie selbstsicherer mit neuen Situationen um

Dmitri Hazes, KopZorg

 

Abschluss

Virtuelle Realität, insbesondere die 6DoF-Technologie, bietet neurodiversen Menschen eine wirkungsvolle, motivierende und sichere Möglichkeit, soziale und exekutive Fähigkeiten zu entwickeln. Die Kombination aus Realismus, Wiederholbarkeit und Personalisierung macht VR zu einem unverzichtbaren Werkzeug zur Unterstützung von Menschen mit Autismus und anderen neurodiversen Besonderheiten. Die positiven Ergebnisse aktueller Forschung unterstreichen den Wert und das Zukunftspotenzial von VR im Gesundheits- und Bildungswesen.


Quellen

Yang X, Wu J, Ma Y, et al. Wirksamkeit von Virtual-Reality-Technologieinterventionen zur Verbesserung der sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen mit Autismus: Systematische Übersichtsarbeit. J Med Internet Res. 2025;27:e60845. Veröffentlicht am 5. Februar 2025. doi:31610529887

Dahdah MN, et al. Virtual Reality Stroop Task for Neurocognitive Assessment. 


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